Mama's Alltag,

Magendarm-Alarm

«Mama, Bauchweh». Bauchweh? Ok, klar. Erstmal checken, ob’s wirklich der Bauch ist oder der Bauch nur hinhalten muss für anderes Weh oder schlicht Mangel an Aufmerksamkeit: «Wo tut’s denn weh?»

«Hier», sagt das Kind. Und deutet auf die Bauchgegend. Mist. Das bedeutet wohl wirklich Bauchweh. Und erklärt, warum das Kind sich beim Mittagessen dermassen gegen das Essen gesträubt hat.

Am nächsten Morgen kotzt es. Den ganzen Tag. Es hängt herum wie eine tote Fliege, und als Mutter ist das – nebst der mütterlichen Grundbesorgnis bei Erkrankung des Kindes – gar nicht mal so unangenehm. Deutlich mehr Ruhe und deutlich weniger Ansprüche.

Der einzige Anspruch meinerseits: Eine Epidemie verhindern.

Was sich als sehr schwierig gestaltet, weil die kleine Schwester davon so gar nichts wissen will. Todesmutig den Becher des kranken Bruders leert, bevor ich mich wie ein ausrangierter Bodyguard darauf stürze und anschliessend versuche, die Sache mit der Infektionsgefahr in eine Sprache für Zweijährige runterzubrechen. Funktioniert nicht. Kurze Zeit später kommt sie grinsend mit dem infizierten Nuggi ihres Bruders daher. Wie lange sie noch grinsen wird – die Inkubationszeit wird es zeigen.

Zwei Tage später ist nicht sie krank, sondern der Göttergatte.

Wie auch immer er das bewerkstelligt hat. Als er das erste Mal kotzte ahnte ich: Diesmal würde es auch mich treffen. Hatten wir uns doch am Tag vorher ausnahmsweise und das allererste Mal seit gefühlten Ewigkeiten nicht nur flüchtig, sondern mit Zunge geküsst. Das Timing dafür hätte nicht übler sein können. Übler war nur mein Zustand danach.

Denn obwohl die Männergrippe in ihrer ganzen Tiefe und Vielfalt nicht zu unterschätzen ist – wenn Mütter kotzend über dem Klo hängen, sind die familiären Verhältnisse total auf den Kopf gestellt. Apathisch sitze ich bei den Kindern. Schaffe es sogar, ihnen Essen zu kochen – in einem Zustand absoluter Übelkeit ein grandioser Akt der Selbstlosigkeit. Die Erziehungsmassnahmen beschränken sich auf ein «Kinder, hört sofort auf zu streiten» aus der Toilette raus. Ich hätte es gerade so gut bleiben lassen können.

Alles Notwendige erledige ich in den glorreichen Zeiten unmittelbar nach dem Erbrechen, in denen man sich fühlt, als wäre man nie krank gewesen. Es folgt das Apathiestadium und der nächste Toilettengang.

«Mama, Gaggi machen», ruft der Sohn, während ich mich hinter verschlossenen Türen auskotze.

Und ich hätte tatsächlich an dieser Stelle das Kotzen unterbrochen – Mütter können sowas – wäre nicht der genesene Göttergatte zur Stelle gewesen und hätte den Sohn ins zweite Klo verfrachtet.

Kaum ist der Sohn weggeräumt, öffnet sich die Klotüre. «Mama, geht’s?», die total emphatische Zweijährige, immer noch keine Furcht vor Viren. «Jaja, geht gut», bringe ich zwischen zwei Schwall Cola mit Salzstangen raus. In dieser beruhigenden Tonlage, die dem Kind versichert, dass kotzende Mütter voll eins sind mit sich selbst und dem Universum und nur gerade über der Kloschüssel hängen, weil sie das so wollen.

Dann – bei mir werden die Zeiträume zwischen den Toilettengängen immer grösser – ist es soweit. Das Immunsystem der Zweijährigen gibt ihren zahlreichen Versuchen, es zu sabotieren, nach.

Es kommt in lila daher. Das Erbrochene. Dies, weil ich wider besseren Wissens Heidelbeeren zum Dessert serviert hatte. Anfängerfehler. Dummer, blöder Anfängerfehler. Es könnte farblich zwar durchaus mit Einhornkotze verwechselt werden. Aber putz mal Einhornkotze von Sofa, Kissen, Teppich und Kleidern.

Immerhin ist damit der Kreislauf geschlossen. Wir verzichten dankend auf eine zweite Runde. Und wünschen allseits gute Besserung.

 

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Autor

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in | Mehr zum Lesen: moidame.ch

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