Kleinvieh macht Mist

Ganz habe ich sie nie vergessen können, die Art und Weise, wie Neugeborene in die Windeln machen. Ich meine damit nicht den schwarzen Sekundenkleber aka Kindspech. Sondern die Art Ausscheidung, die sich einstellt, wenn das Kindspech aufgebraucht ist, das Kolostrum ebenfalls und das Baby schliesslich 0815-Muttermilch trinkt.

In meiner Erinnerung kommt diese Art Ausscheidung folgendermassen daher:
senfgelb-geflockt
häufig
häufig falsch platziert

Die aktuelle Realität deckt sich sehr gut mit dieser Vorstellung. Senfgelb- geflockt, sehr häufig und ja, falsche Platzierung gab es trotz des zarten fast noch Neugeborenenalters bereits. Dazu später.

Alle meine Kinder sind/waren Windelkinder. Und rund sechs Packungen Einser-Windeln waren daher noch vorrätig, um das K3 durch die ersten Wochen zu bringen. Theoretisch. Praktisch sind die Packungen bereits fast aufgebraucht, noch bevor der Bauchnabel des Babys komplett getrocknet ist oder die feuchtigkeitsverwöhnte Babyhaut das Stadium der kompletten Austrocknung überwunden hat.

Anfänglich war ich noch entzückt darüber, wie winzig klein diese Einser-Windeln daherkommen. Doch in Tat und Wahrheit verhält es sich so: «Auch Kleinvieh macht Mist».

Dabei beziehe ich mich um Gottes Willen nicht auf das Baby, sondern auf die Windeln.

Nur wenige Wochen zuvor hatte sich der Inhalt des Windeleimers halbiert (und damit unsere Abfallkosten, die wir hier auf dem Land nach Gewicht bezahlen), weil K1 endlich auch damit einverstanden war, tagsüber windelfrei zu leben (yay!).

Da kommt K3 daher und scheisst eine kleine Windel nach der andern voll. Wobei der Begriff ‚voll‘ eben eigentlich total missbräuchlich verwendet wird. Voll ist eine Windel, in die K1 oder K2 geschissen haben. K3 produziert allerhöchstens vogelschiss-grosse Flöckchenkacke, die man schon fast mit der Lupe suchen muss. «Die muss man halt eben trotzdem wechseln, gell, weil das Kind sonst einen geröteten Po kriegt», die Hebamme.

Und so häufig, wie das K3 seine Flöckchenkacke produziert, bin ich dazu gezwungen, zu 90%-saubere Windeln als ‚voll‘ abzustempeln und sie wegzuschmeissen.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir in der Prä-K3-Aera trotz den Grösse-6-Windeln den Windeleimer derart häufig leeren mussten.

Das Amt des Windeleimerentleerens ist glücklicherweise in den guten Händen des Göttergattens. Und Flöckchenkacke-Windeln haben immer noch mehr Volumen als Gewicht – so vo wäge Abfallgebühren.

Was mich definitiv mehr stört, sind die Fehlplatzierung. Wie kürzlich, als ich beim Stillen feststellen musste, dass die Unterseite meines Babys feucht ist. Ich das Baby nach einigem Zögern (nein, sicher nicht. Wobei, mol, wahrscheinlich schon. Bitte nicht!) umdrehe und sehe, dass inzwischen nicht nur die Unterseite meines Babys feucht ist, sondern auch meine Hosen, mein T-Shirt, meine Unterarme. Das Baby im Ganzen und überhaupt.

Obwohl ich mir dank Onlineinspiration (sorry, weiss grad nicht mehr, wo ichs gelesen hab) mit dem neuen Kind auch ein neues Motto zugelegt habe: «Pragmatisch, nicht perfekt», schaffte ich es nicht, den Stillprozess in dieser Form zu beenden. Was das Baby mit grossem Protestgeschrei quittierte.

Der nächste Programmpunkt lautete: Mutter und Kind ab ins Badezimmer. Zeitpunkt des Malheurs: wie immer in solchen Fällen günstig gelegen. Grad so dann, wenn die älteren Geschwister am Durchdrehen begriffen sind (Hunger, Ässe, müed) und die Eltern ebenfalls.

Da soll noch wer sagen, dass Flöckchen-Kacke und sei sie noch so klein, nicht gewichtig sei. Und ich freue mich schon jetzt darauf, wenn ich sie das erste Mal vom Babyrücken putzen darf. Vorzugsweise nicht grad in der Happyhour…

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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