Kleinkind + Essen = Putzen

Wenn Kleinkinder essen, kann das schon mal einen Würgreflex auslösen.

Und Menschen ohne Kinder denken sich so ihre Sachen, wenn sie Eltern im Umgang mit ihrem Nachwuchs zuschauen. Selbst wenn man selber Eltern ist, denkt man weiterhin dieses oder jenes, wenn die Kleinkinder essen.

Bevor mein Kind etwas anderes als Flüssignahrung zu sich nehmen konnte, dachte ich beispielsweise immer: Wenn mein Kind mal Essen kriegt, wird es hübsch und sauber essen. Der Boden wird auch danach noch glänzendglitzersauber sein. Das Kind ebenfalls. Falls sowas wie Sauerei überhaupt vorkommt, dann in den hintersten Mundwinkeln des Kindes. Und dies lässt sich dann mit einem feuchten Lappen im Nu abwischen. Doch irgendwie müssen Kleinkinder essen lernen. Leider.
Seit mein Kind Löffel und Gabel selbst in seinen Patschhändchen hält, halte ich meinerseits den Putzlappen in der Hand.
Nicht nur das. Ich krieche auch täglich mehrmals damit um Tisch- und Stuhlbeine. Der Staubsauger hat sich zu der tollsten Erfindung gleich nach der Glühbirne entwickelt. Und das Kochen von Reis habe ich seither drastisch reduziert.

Denn Reis und Polenta und alles, was sich in der Couscous-Ecke befindet, ist in Kombination mit Kleinkindern un(v)erträglich.

Warum? Es existiert in zu vielen Einzelteilen! Auch Kartoffelbrei, generell Brei, Suppen und Saucen (speziell Tomaten- und Currysauce) sollten vom Speiseplan verbannt werden. Denn um es in den Worten eines sauberkeitsliebenden Bekannten auszudrücken: «Ist das Zeug erstmal eingetrocknet, klebt es fester als Zement.» Dies und die Tatsache, dass man bei nicht sofortiger Beseitigung diese Einzelteile im Nu in der ganzen Wohnung verteilt hat, sind die Hauptmotivation meiner täglichen Putzorgien.

Natürlich kann ich mein Kind nicht auf eine kleblose Klumpendiät setzen.

Selbst wenn ich dies täte, würde mein Kind es schaffen, daraus Einzelteile anzufertigen. Also putze ich. Und flüstere – auf den Knien schrubbend – allen Leuten ohne Kleinkinder zu: Denkt doch, was ihr wollt!
Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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