Mit dem Kind im Spital

Ich weiss es ist mein Job als Mutter mein Kind von Spitälern fernzuhalten.

Es ist das gleiche Schema wie bei heissen Herdplatten und offenen Kloschüsseln: Halte das Kind von Gefahren, Krankheiten und Unfällen fern. Sprich, auch von Spitälern.
Und mehr noch. Als Mutter sollte ich instinktiv auf Kombinationen in jeder Form aus «Kind» und «Spital» mit Schweissausbrüchen und Panikattacken reagieren.

Das Kind mag in Schlamm oder im Katzenklo baden. Alles besser, als hygienisch rein nach dem sterilen Geruch eines Spitals zu riechen.

Sagen wir es so. Rational gesehen, weiss ich das alles. Und emotional theoretisch auch. Versteht mich also nicht falsch. Ich will weder kranke Kinder, noch verunfallte Kinder. Seien es die meinen oder Kinder allgemein.
Kinder, die hospitalisiert werden – das ist nur eine weitere dunkle Facette unseres menschlichen Daseins. Ein Problem, das hoffentlich noch vor oder spätestens mit dem Weltfrieden gelöst werden sollte.

Weshalb ich auch nur mit einem leicht schlechten Gewissen zugebe: Die Woche mit meiner Tochter im Spital – hach.

War das schön.

Ja, Schande über mein Haupt. Aber, hach, das war wie Ferien. Nur noch besser. Denn es war alles gratis.

Und sonnenbadend an einem Strand zu chillen – davon können Eltern sowieso nur träumen. Ferien am Meer bedeutet nur eins: Sandburgen bauend am Strand sitzen und zwischen lauten Touristen und schreienden Kindern ein ruhiges, schattiges Plätzchen für den Mittagsschlaf zu finden.

Solche Ferien sind Arbeit. Genauso wie der Alltag.

Aber im Spital. Im Spital gibt es ein kleines, rotes Knöpfchen, das du jederzeit drücken kannst, wenn du keine Lust mehr hast. Oder wenn du du duschen willst zum Beispiel.

Ja, Mamas: Dort kann man duschen. Wann immer man will.

Weil das Kind, gefesselt an Infusionsmaschinen, nicht unbeaufsichtigt bleiben sollte, nehmen sich die verständnisvollen Schwestern nämlich gern eine Dusche voll Zeit.
Der Himmel. 5 Sterne Spa. Niemand zieht am Vorhang oder trinkt aus dem Klo oder schaltet in der Küche die Herdplatten an. Niemand beginnt zu weinen. Niemand zwingt mich splitterfasernackt aus der Dusch zu sprinten, um einen See in der Wohnung zu hinterlassen.

Ach, und: Ich muss nicht kochen!

Sicher, Spitalessen. Keine Michelin Sterne oder so.  Aber. Kein Einkauf. Kein Kochen. Kein schmutziges Geschirr.

Hoppala. Ich habe, von der schönsten Woche seit langem träumend, vergessen zu erwähnen, was meiner Tochter überhaupt fehlte.

Keine Sorge. Es war nichts gravierendes. Eine kleine Entzündung und venöses Antibiotika. Gelitten hat sie nicht. Abgesehen von einem von Antiobotika gedämpften Energiepegel (was wiederrum für mich nicht ungelegen kam, zumal ich ihr die Schläuche überall hinterhertragen musste).

Im Gegenteil. Meine Tochter – die wollte noch viel weniger von dort weg, als ich.

Als der Doktor also eines morgens fröhlich in unser Zimmer schneite, um uns die gute Nachricht zu verkünden: Sie werden heute endlich entlassen. Da zogen wir beide die Gesichter lang und drückten zum Abschied noch ein letztes Mal das rote Knöpflein.

Meine Tochter wurde von Nadeln und Schläuchen getrennt und hatte ihre gewohnte Bewegungsfreiheit zurück. Was bedeutet: Den Abschiedsschmerz hat sie – im Gegensatz zu mir – sehr schnell überwunden.

Ich hingegen stehe wieder unter der Dusche, die ich selbst putzen muss.
Und denke, dann und wann, an mein geliebtes, rotes Knöpflein zurück. Das mir mein Leben als Mama so viel einfacher gemacht hat.

Mirjam ist Mitgründerin von Mamas Unplugged und seit Herbst 2017 mit ihrer Familie auf Weltreise unterwegs. Mit Fahrrad, Zelt und Hund. Wer aktuelle Blogs von ihr lesen will, findet die auf www.familiemettler.ch

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