Im (Alb)-Traum – wie weiter?

Hast du manchmal das Gefühl, dass das was wir gehört haben, nicht wahr ist?

Als mein Mann mich das gestern gefragt habe, habe ich nicht lange überlegt:

«Ja, das Gefühl habe ich manchmal.»

Es hat was von: Aus einem bösen Traum aufwachen wollen. Aber nicht können.

A propos.

Heute Nacht hatte ich einen Traum: Dass ich meine Tochter an eine neue Betreuungsperson abgeben musste. Ich war – den Rahmen meiner Coolness sprengend – überfürsorglich und hysterisch. Auf das tiefe Niveau einer Gluckenmama gesunken, rief ich alle fünf Minuten an, um mich zu erkundigen, ob es meiner Tochter gut geht.

Irgendwann nahm die Person einfach nicht mehr ab.

Aus den fünf Minuten wurden drei. Bis ich schliesslich auflegte, anrief, auflegte, anrief, auflegte, anrief.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, das Rauschen und die Person am anderen Ende der Leitung.

Die Person, der ich das Wohl meiner Tochter in die Hände gelegt hatte.

«Der mentale Zustand ihrer Tochter hat sich rasant verschlechtert. Ich konnte nichts mehr tun. Irgendwann hat sie das Leben losgelassen. Sie ist tot.»

Ich riss mir meine Kleider vom Leib, schrie, schrie und schrie.

Gott sei Dank wachte ich auf.

Der Schmerz, die Wut, die Angst, wenn es um das eigene Kind geht, können eine Mutter wahnsinnig machen. Und es macht mich wahnsinnig. Und ich bin überzeugt, dass ich einen Teil dieses Wahnsinns einfach zulassen muss.

Mit zerrissenen Kleidern und lauthals schreiend, repräsentiert man nicht gerade den klassischen Normalo-Bürger, der Krabbelgruppen und Spielplätze besucht. Ich weiss.

Es ist ein Wahnsinn, der meine Grenzen sprengt.

Zurück also zu der Frage, ob ich manchmal glaube, dass das alles nicht sein kann.

Seit ich das Video gesehen habe, hoffe ich jeden Tag aufzuwachen. Und mein, die Einfachheit liebendes Gehirn, versucht immer wieder den Schalter für die angenehme, altbekannte Realität zu finden. Ich hatte die Familie immer gern. Das was ich auf dem Video gesehen habe, kann also nicht wahr sein.

Kann man mich wirklich so täuschen?

Aber ich wache einfach nicht auf.

Journalistisch angehaucht und zu wissenschaftlicher Recherche vereidigt, kann ich meinem Drang nicht widerstehen alle möglichen Informationen zu sammeln. So viele wie nur irgend möglich.

Dass der Albtraum Realität ist, bestätigen zu viele unabhängige Quellen, meine eigenen Augen als Zeugen und die eigene Lebenserfahrung.

Denn ich weiss, wie sehr eine ideologische Lebensweise blenden kann. Nicht nur die Opfer – in diesem Fall meine Kinder und mich, die Mutter, die für ihr Wohl in letzter Instanz zuständig ist. Sondern auch die Täter. Die schlussendlich auf verquere Weise auch Opfer sind.

Opfer ihrer eigenen Ideologie.
Ihrer geschwärzten Pädagogik.

Der Selbsttäuschung unterliegend, dass Kinder nur zu rechtschaffenen, gottergebenen Menschen werden, wenn man Zwang und Härte ins Spiel bringt. Auf welche Art und Weise auch immer. Das funktioniert nur in treuer Begleitung der heilsversprechenden Liebe und Gnade.

Ich könnte kotzen.

Aber ich kann mir bildhaft vorstellen, was da abgeht. Denn mein Mann und ich hatten Zeiten in unserem Leben, da waren nicht nur wir, sondern die liebsten Menschen in unserem Umfeld, von solch einer Ideologie geblendet.

Sie sind im Film.

Mittendrin. Der Abspann weit entfernt.

Vielleicht dreht sich gerade deshalb mein Magen besonders um, wenn ich daran denke. Weil dieser Film von Täuschung, Schweigen und Feigheit lebt. Es reisst offene Wunden auf.

Und ich bin mit meiner Suche noch lange nicht am Ende, aber weit genug, um meinem Mann folgende Antwort zu geben:

Ich habe das Gefühl manchmal. Aber ich weiss, es ist wahr.

 

 

Mirjam ist Mitgründerin von Mamas Unplugged und seit Herbst 2017 mit ihrer Familie auf Weltreise unterwegs. Mit Fahrrad, Zelt und Hund. Wer aktuelle Blogs von ihr lesen will, findet die auf www.familiemettler.ch

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