Ich doch nicht

«Ich werde bestimmt nicht so. Niemals. Ich doch nicht.» Hat man gesagt.

Als sie erzählt haben vom sinnerfüllten, freudenreichen Leben einer Mama. Vom ersten Lächeln. Dem überschwänglichen Glück. Von den ersten Tränchen, die man tröstend wegwischen darf. Aus einem Gesicht, das einem schon seit der Geburtsstunde so ähnlich sieht (faltig und zerknautscht?).

Vom Mamaleben haben sie erzählt. Die Mamas, die auf Spielplätzen meist nur herdenweise auftraten. Die Mamas, die einem scham- und bedenkenlos alles erzählten, was man nie wissen wollte: Über Windeln und den Unfällen die diese nicht abwenden konnten, bis hin zu der Beichte, dass sie ja immer noch die Breireste von heute Mittag in ihren Haaren haben (und dich dabei anlächelten, als sollte man das jetzt…irgendwie…gut finden).

Nicht überraschend, hatten diese Mamas doch sowieso der Modewelt abgeschworen, weil teure Markenklamotten mit Babykotze nicht so gut kommen.

Mamas, die man immer belächelt hat – sie und ihre eigenartige kleine Welt – und sich insgeheim gesagt hat: «Ich werde bestimmt nicht so.» Nein, ich doch nicht. Denn eins war klar: Würde man sich irgendwann – in weit, wirklich weit, entfernter Zukunft – in diese Mamawelt verirren, dann werden eiserne Gesetze gelten wie Unabhängigkeit, Treue dem Stilbewusstsein und einer hoch angelegten Schamgrenze, wenn es darum geht über die eigenen Sprösslinge zu reden (wenn die überhaupt Thema werden, da man sich doch viel zu sehr mit Politik, Kultur und Klatsch und Tratsch beschäftigen wird).

Ja, so dachte man sich das. Damals. Als man mit würdevoller Distanz und erhobenen Hauptes jenseits der Grenzen der Mamawelt das chaotische, bunte und viel zu verschmutzte Treiben be- (oder ver-) urteilte. Bis man dann über die Barriere schritt und es selbst erlebte: das erste Lächeln. Das, wie aus dem eigenen geschnittene Gesicht. Und eh man sich versah, bestand die eigene Haute Couture aus jenen Klamotten, die noch nicht nach Babys Mageninhalt rochen. Und trägt nun diese Haute Couture ebenso stolz, wie man über Babyleins Pupse ist.

An Vorsätze von damals erinnert man sich erst dann wieder, wenn Noch-Nicht-Mamas jenseits der eigenen Grenzen in «ich doch nicht» -Wolken davon fantasieren, wie ihr Leben aussehen wird, wenn es dann mal soweit ist. Und findet es ebenso amüsant, wie Babys Gesicht, wenn es mal wieder einen seiner legendären Pupse macht.

Auch wenn man auf diese Weise viele der einst so ungeliebten Klischees erfüllt, so ist man doch wenigstens die eigenen Vorurteile los. Und findet sein Leben eigentlich genauso beneidens- und erstrebenswert wie damals.

Mirjam ist Mitgründerin von Mamas Unplugged und seit Herbst 2017 mit ihrer Familie auf Weltreise unterwegs. Mit Fahrrad, Zelt und Hund. Wer aktuelle Blogs von ihr lesen will, findet die auf www.familiemettler.ch

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