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Holz vor der Hütte

Wir haben Holz vor der Hütte. Massenhaft. Es wird täglich mehr.
Verantwortlich für die Holzsammlung ist mein Sohn. Seines Zeichens zwei Jahre alt und – man könnte dies beinahe als Diagnose verstehen – passionierter Astanschlepper.

Anfangs war er noch glücklich mit einem einzigen, dünnen, armlangen Stecken. Die findet er nach wie vor toll. Bloss, dass ein einzelner nicht mehr ausreicht.

Aktuell bückt er sich auf dem Weg zum Einkaufen für ‚Äste‘, die man von blossem Auge kaum mehr ausmachen kann. Zudem mag er: Äste mit abbröckelnder Rinde. Äste mit welkem Laub. Nasse Äste. Erdige Äste. Zertretene Äste. Er macht da keinen Unterschied. Und liebt jeden so hingebungsvoll, dass ich gezwungen bin, ihnen allen Asyl im Kinderwagen zu gewähren.

Immerhin ist das Kinderhirn so konzipiert, dass es sich konstant auf Neues fokussiert. Dies ermöglicht mir, in unbeobachteten Momenten im Kinderwagen wieder Platz für neues Holzgut zu schaffen.

Neuerdings finden sich darin nicht mehr nur Ansammlungen kleiner Äste. Je länger je mehr kommen nun auch sperrige, knüppeldicke und meterlange Kaliber als Transportgut in Frage. Logistisch eine Herausforderung. Insbesondere, wenn man damit Einkaufen gehen muss. Unauffällig wegschmeissen: Unmöglich.

Daher das Holz vor der Hütte – vor unserem Haus.

Gestern erreichte der Sammeltrieb einen weiteren Höhepunkt: Ein stark verzweigter, vertrockneter und mindestens drei Meter langer Ast. Nicht für den Kinderwagen. Für das Auto.

Diskutieren war unmöglich. Zuckertief. Überstrapazierte Nerven. Das Geschrei wäre zu laut ausgefallen. Ich wollte nur nach Hause.

Also packte ich das Ding. Verstaute es mit Ach und Krach und viel Gejammer im Kofferraum. Und fuhr mit einem Wald im Auto nach Hause. Dort liess ich dann nicht mehr mit mir diskutieren: Holz vor der Hütte – ja. Holz in der Hütte? Nein!

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Autor

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in | Mehr zum Lesen: moidame.ch

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