Herr Niemand

«Wer hat denn schon wieder meine Schere genommen?»

«Wo ist der Radiergummi?»

«Warum ist mein Lineal nicht in der Schublade?»

Leben mit Kindern heisst tausend Dinge suchen. Von denen niemand weiss, wo sie sind. Irgendetwas fehlt immer. Ständig verschwinden Gegenstände, Werkzeug, Schulsachen, Socken. Um nach einer Ewigkeit dort zum Vorschein zu kommen, wo sie nicht sein sollten.

Das hat man Herrn Niemand zu verdanken. Zeitgleich mit den Kindern zieht er ein. Wenn etwas unauffindbar ist und man fragt, wer es verlegt oder zuletzt benützt hat, dann ist klar: Niemand. Der Kerl ist emsig und hat anscheinend sonst nichts zu tun…

Not macht erfinderisch. Wie schützt sich Mama vor Herrn Niemand? Was macht sie, damit sie ihre Bastelschere nicht dauernd suchen muss?

Sie visualisiert. Sie macht sichtbar, was geht und was nicht. Sie zeigt Herrn Niemand, dass es z. Bsp. Schubladen gibt, wo er nichts, aber auch gar nichts zu suchen hat. Denn dort hortet man das, was man nicht immer suchen will. Suchen bedeutet nämlich, kostbare Lebenszeit zu vergeuden. Die einem dann zum Chillen fehlt.

Und wenn ein Kind etwas aus diesem heiligen Aufbewahrungsort benützen will? Dann muss es einen schriftlichen Antrag mit einer glaubhaften Begründung stellen und eine Kaution zahlen…

Redaktionsassistentin, Autorin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Stiefoma einer Schulkind-Prinzessin. Schamgefühle sind nach so einer Mutter-Karriere wie der ihren kein grosses Thema mehr. Sie hat nicht immer Recht. Aber sie liegt selten falsch.

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