Flüchtlinge in der Familie, Serie,

(Zu) gut gemeint

Vor drei Monaten entschloss ich mit einem «S» auf der Brust drei afghanische Jungs bei mir aufzunehmen.
Im explosiven Alter von 8, 11 und 14.
Das bedeutet Pubertät.
Das bedeutet drei- bis vierfach so viel Haushalt.
Das bedeutet ein unaufhörliches Niederprasseln frecher Sprüche.
Und ja – das ist selbst möglich bei Teenies, die kaum Deutsch sprechen.

Das bedeutet gut gemeint, aber irgendwann drei Tage Spital.
Denn Stress plus kümmerliche Immunabwehr plus permanentes Vergessen von lebensnotwendiger Flüssigkeitszufuhr, können einen eben unter Umständen ins Spital bringen.

Und so tauschte ich mein Superwoman-Trikot kurzerhand ein durch ein omahaftes Krankenhaus-Nachthemd. Statt Besen und Putzlappen hielt ich einen Infusionsständer in der Hand.

Tiefer konnte ich kaum sinken.

Aber besser hätte ich es auch nicht lernen können. Lernen durch meine eigenen Fehler. Lernen nämlich, dass es nobel ist helfen zu wollen. Es gut zu meinen. Aber dass es dabei Weisheit braucht, um seine Grenzen zu kennen.

Ich bin immer noch begeistert von der Idee Flüchtlingskinder in die eigene Familie zu integrieren. Aber fast noch besser finde ich, wenn man sich klar darüber ist, wie sich das in der Praxis umsetzen lässt.

Und im Spital-Nachthemd, angekettet an einer Infusion, nützt auch jedes «gut gemeint» nicht mehr viel.

Und jetzt dürft ihr noch eine Mitleids-Träne verdrücken, bevor ich euch sage:
Mir geht es schon viel besser.

Nicht zuletzt weil ich in meinen jungen Jahren um ein Quäntchen Weisheit reicher bin.

Und weil ich Hoffnung habe, dass diese in den Prozess der Lösungsfindung hinein sprudelt. Damit es uns Sieben in Zukunft besser gehen darf.

0no comment

Autor

Mirjam ist Mutter von zwei wunderbaren und unvollkommenen Kindern, studierte Psychologin und arbeitet im Herzen des Emmentals als Hausfrau und freischaffende Journalistin.

Leave a Reply




Instagram