Geburtsvorbereitung mit Vorwehen

«Oh mein Gott, du bist ja noch so dünn. Wir haben dich uns viel dicker vorgestellt!» – begleitet von einer Bewegung, die in etwa die Masse eines Walrosses umschreibt, werde ich am Familienfest begrüsst.

Nächster Tag, anderes Familienfest. «In welchem Monat bist du jetzt? Fünfter?» Ich lege drei Monate drauf. Ungläubiges Staunen. Diesmal nicht wegen der Bauchdicke, sondern weil der Geburtstermin im Sommer rechnerisch gesehen noch extrem weit entfernt scheint.

Das Bild belegt: Ich BIN dick!

Denn das Making-of von Baby NO.3 ist beinahe im Endspurt begriffen. Ein Fakt, den ich gerne verdränge, was mir im Alltag sehr gut gelingt. Zumal das Baby sich weitgehend nur mit Ausdehnung des Bauchraums inkl. Fusstritten in Blase (macht ca. eine Literfüllung pro Tritt und nein, ich habe noch nicht in die Hose gepinkelt, aber ich fürchte mich vor dem Moment), Magen (Säure wird nach oben gedrückt), Zwerchfell (autsch) bemerkbar macht. Ansonsten fühle ich mich immer noch recht unschwanger und erschrecke regelmässig ob der Geschwindigkeit, mit der der Geburtstermin näher rückt.

Wobei ‚fast drei Monate noch‘ irgendwie besser tönt als ‚öppe zehn Wochen‘. Insbesondere muss man ja auch damit rechnen, dass das Baby sich nicht strikt an den errechneten Zeitplan hält. Und plötzlich sind die ‚fast drei Monate‘ verdammt knapp für alles, was rund ums und neben dem Baby noch erledigt werden sollte.

Man könnte meinen, bei einer Schwangerschaft mit dem dritten Kind sei die Mama perfekt auf das Geschehen vorbereitet. Weit gefehlt.

Das Babyzimmer befindet sich nach wie vor in einer Art Rohfassung. Einzig der Schrank ist aufgebaut. Alles andere ist höchstprovisorisch in Kisten deponiert. Babykleidchen sollte ich langsam mal aus dem Keller holen und auf ihre Tauglichkeit, Sauberkeit und modische Genügsamkeit checken.

Zudem wäre es von Vorteil, sich kurz wieder mit der Neugeborenenphase auseinanderzusetzen. Weil ich kürzlich tatsächlich überrascht war davon, wie häufig das Neugeborene einer Freundin schläft (fast immer). In meinem Kopf schlafen Babys analog zu Kleinkindern: Nämlich über den Mittag. «Aber was erzähl ich dies einer Mutter mit zwei Kindern», sagte ebendiese Freundin noch.

Ähm, hehe. Erzähl ruhig weiter, ich muss alles wissen, ALLES.

Äusserlich blieb ich cool, Mutter mit zwei Kindern, check check. Innerlich hatte ich akute Schweissausbrüche, weil ich die Neugeborenenphase und meine Erinnerungen daran abgesehen von zartem Babyduft weit hinter mir gelassen habe.

Dieser Zwischenfall führte mir vor Augen, dass es klug wäre, einschlägige Literatur nochmals quer zu lesen um auf die Basics gefasst zu sein. Ganz zu schweigen von einer kurzen, psychischen Vorbereitung auf die Geburt. Die der Neugeborenenphase ja vorausgeht – ebenfalls ein Fakt, den ich mehrheitlich gerne noch ignoriere.

In ruhigen Minuten (in der Phase also, die zwischen Einschlafen und Tiefschlaf liegt) befasse ich mich nun mit Babykram. Habe «One Born Every Minute» auf Youtube laufen (meiner Meinung nach die perfekte Geburtseinstimmung) und füge überfordernden Alltagssituationen mit zwei Kleinkindern ein schreiendes Neugeborenes hinzu. Optimal für die Moral.

Mein präventives Krisenmanagement lässt zu wünschen übrig und so werde ich wohl tun, was ich fast am besten kann: Mich bei Bedarf der sogenannt ‚aufgetauchten‘ Strategie bedienen, mich äusserst anpassungsfähig einfach mal ins Noch-mehr-Kinder-Dasein stürzen und darauf verlassen, dass in mir drin tatsächlich noch irgendwo Neugeborenenkompetenzen schlummern.

 

 

 

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

2 thoughts on “Geburtsvorbereitung mit Vorwehen

  1. Nadine, you got this. Die ersten vier Wochen schlafen sie eh nur. Stressig wirds erst danach. Also dann den Mann vom Schaffen abhalten. Und die Grossmutter organisieren. Und sonst: BABYDUFT!!! Aber ich bin ja da kein Massstab, sondern seit Februar einfach komplett Gaga.

    Falls du noch persönliche Beratung brauchst – bin bald mal in Bern 😘

  2. Du Liebe.. tut immer gut zu hören. Und schlimmstenfalls kann man ja immer noch auf das «Alles ist eine Phase»-Mantra zurückgreifen. Und ja, persönliche Beratung oder ein kleines ‚Lernen am Modell‘-Intermezzo immer gerne!

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