Flüchtlingskrise familienintern

Unsere persönliche Flüchtlingskrise findet nun familienintern statt.

Eigentlich sollte ja jeder Mutter das Recht auf dringliche Kriseninterventionen eingeräumt werden, wenn sie in ihrer heiligen Mittagsruhe gestört wird.

Wenn die Kinder aufwachen, weil jemand klingelt. Dann sollte dieser jemand  – in einer gerechten Welt – einen Tag später eine einstweilige Verfügung in seinem Briefkasten vorfinden.

Gut. Bei mir war es nicht nur die gestörte Mittagsruhe. Jeden. Einzelnen. Tag.
Weil ungünstigerweise das Zimmer unserer afghanischen Jungs direkt über dem Zimmer unserer mittags übermüdeten Kinder liegt. Und weil sie sich ungünstigerweise mittags aus Langeweile laut polternd verprügeln.

Obwohl das nur ein repräsentatives Beispiel aus vielen für unsere gegenwärtige Familiensituation ist, ist es bereits Grund genug für eine Krisenintervention.

Eine Krisenintervention zwecks dem Wahnsinn unserer Kombination:
Zwei kleine Kinder. Und drei grosse. Pubertierende. Völlig anders tickende. Die definitiv mit den kleinen Kindern mithalten können, wenn es darum geht mütterliche Nerven zu strapazieren.

Eine Krisenintervention zwecks der Tatsache, dass ich nächtelang wach liege und mich frage, wie lange ich diese drei Jungs, die ich in nur drei Monaten so lieb gewonnen habe, weiterhin aushalten kann.

Die momentane «Flüchtlingskrise», in der wir stecken, bricht aus allen Dämmen, wenn sie mich nach einer solchen Nacht mit grossen Augen anschauen und schüchtern fragen:
«Du traurig?»

Gopf. Herr im Himmel. Ja.
Weil ich sie entsetzlich gern habe. Und am Ende meiner Kräfte bin.
Das macht mich traurig.
Und dass sie das merken und sich vermutlich noch dafür die Schuld geben, macht den Zweck der Krisenintervention ersichtlich. Aber sicher nicht einfacher.

Eine Krisenintervention mit allen Beteiligten.
Die sich alle wünschen, dass es funktioniert.
Und Wünsche zu enttäuschen.
Das fällt uns Müttern ja bekanntlich äusserst leicht.

Mirjam ist Mitgründerin von Mamas Unplugged und seit Herbst 2017 mit ihrer Familie auf Weltreise unterwegs. Mit Fahrrad, Zelt und Hund. Wer aktuelle Blogs von ihr lesen will, findet die auf www.familiemettler.ch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.