Die Wahrheit über das Duschen

«Manche Mütter erzählen mir», sie zögerte verlegen, „dass sie sogar kaum noch zum duschen kommen.»

«Ist das echt so?“
«Heilige Mutter Gottes. Versuch die Antwort durch ein Höflichkeitslachen herauszuzögern.» Dachte ich mir.
Denn eins war klar: jetzt musste ich strategisch vorgehen. Bei einer Hochschwangeren lässt man nicht gleich die ganze Bombe Wahrheit platzen. Man führt sie behutsam in den bevorstehenden Wahnsinn ein.

Da unsere Blog-Leser Nerven aus Stahl haben (oder bereits vom ganzen Wahnsinn erfasst wurden), folgt nun was ich eigentlich dachte:

Morgens als erstes unter die Dusche hüpfen, hach du, das waren noch Zeiten. Jetzt holt man als erstes Kinder aus dem Bett. Oder sie werden einen vom Gatten auf den Kopf geschmissen, während man selbst noch im Bett liegt. Da hopsen sie dann auf einem herum. Weinen. Oder brüllen dir einfach «Mamaaa Müesliiiii» ins Ohr.

«Nid daaaas Müeeesliiii,» folgt dann auf den zweiten morgendlichen Akt des Müsli-Servierens. Man disponiert um, den Schweiss in den Haaren. Den Geruch von Schlaf und ungeputzten Zähnen in der Nase.

Dann zieht man sie an. Putzt ihnen die Beisserchen. Und versucht, während man sie davon abhält eine volle Zahnpastatube komplett leer zu drücken oder Wasser aus der WC-Schüssel zu trinken, auch seine eigenen zu putzen.

Die erste Gaga-Sauerei, weil der Kleine sich auf dem Töpfchen langweilt. Putzen. Dann das Frühstück abräumen, bevor die Kleine die Teller vom Tisch zieht. Falsche Strategie. Da sie nicht den Frühstückstisch, sondern die Geschirrspülmaschine vom Geschirr befreien wollte.

Zu dem Geruch von Schweiss in deiner Nase, sammeln sich Gaga und schmutziges Geschirr. Du darfst entscheiden was Priorität hat und zuerst beseitigt wird. Und ob der Vorsatz das Duschen bis zum Mittag erledigt zu haben, nicht etwas übereilt war.

Und dann kommt es tageweise darauf an. Spielen die Kinder friedlich in ihrem Zimmer oder sind sie in der Stimmung dich mit neuen Gestank erzeugenden Terrorakten auf Trab zu halten?

Und wenn man es doch noch geschafft hat zu duschen, sitzen die Kinder in der Regel davor. Klagen dir ihr Leid, dass du sie als Mutter so lange zu verlassen wagst. Ziehen ohne Unterlass am Duschvorhang. Oder planen den nächsten Terrorakt, der dich, wie Gott dich schuf, aus der Dusche springen lässt.

Ich unterbreche mein Höflichkeitslachen.
«Lass dir nichts erzählen,» flunkere ich und tätschel ihr beschwichtigend die Schulter. «Das waren sehr wahrscheinlich Mütter, die auch vorher nie sehr viel geduscht haben.»

Mirjam ist Mitgründerin von Mamas Unplugged und seit Herbst 2017 mit ihrer Familie auf Weltreise unterwegs. Mit Fahrrad, Zelt und Hund. Wer aktuelle Blogs von ihr lesen will, findet die auf www.familiemettler.ch

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