Des Zweijährigen Geldgier

Der Vater der Zweijährigen ist Betriebswirtschafter. Womöglich trägt das zu der Frühreife meines Kindes bei.

Denn mit knapp zwei Jahren hat es verstanden, worum sich die Welt dreht: «Geld, Geld, Geld», ruft mein Sohn in beträchtlicher Lautstärke durchs Einkaufszentrum. Und streckt seinen Kopf aus der Münz-Lokomotive.

«Man kann auch ohne Geld Spass haben», entgegne ich altklug. Was ihn gar nicht beeindruckt. Im Gegenteil. «Geld, Geld, Geld», stimmt nun auch sein Spielkamerad mit ein.

Der einzig verfügbare Einfränkler, welcher ihnen den Fahrspass ermöglichen würde, steckt im Spielportemonnaie meines Sohnes. Nun steht er vor der Entscheidung: Einmal Loki-Fahrt oder später ein Matchbox-Auto?

Obwohl mein Sohn so tut, als ob er den Wert des Geldes verstanden habe – sein Verständnis für Zahlen ist noch ziemlich unausgereift. Auch Endlichkeit ist ihm noch kaum ein Begriff. Also verzichte ich darauf, ihm eine Erziehungslektion zu erteilen. Verschweige sein Portemonnaie und sage nichts vom Matchboxauto.

Seufzend überreiche ich ihm seinen Einfränkler. Der Jubel ist gross. Die Fahrt ist kurz. «Geld, Geld, Geld», rufen die Zweijährigen. Unwissend, dass sie soeben das Matchboxauto meines Sohnes verjubelt haben.

Da mein Münzfach leer ist und die Münzautomaten keine Kreditkartenschlitze haben, ist die Lokomotive definitiv an der Endstation angekommen. Alle aussteigen, bitte.

Später, im Kleidergeschäft, wünschte ich, ich wäre noch Kind. Und dürfte laut «Geld, Geld, Geld» rufen. Man kann auch ohne Geld Spass haben – wer bitte hat denn diesen Spruch erfunden?

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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