Der Supergau

Seit Tagen war die Taschentuch-Packung in meiner Handtasche leer. Doch just an diesem Morgen beschliesse ich, Papiertaschentücher in meine Handtasche zu packen.

Gott. Sei. Dank.

Seit längerer Zeit ist K2 windelfrei. Unfälle sind im Vergleich zum Anfang seltener geworden. Und alles geht gut, solange ich daran denke, K2 regelmässig auf die Toilette zu setzen.

So auch an diesem Samstag Morgen.

Kind auf die Toilette. Ab jetzt läuft die Uhr. Wir sind safe für etwa zwei Stunden. Das muss reichen. Ab ins Auto. Ab ins Shoppingcenter.

Noch ist keine Stunde vergangen. Ich bin mit K1 und K2 gerade auf dem Weg zur Kasse des Bekleidungsgeschäfts, da meldet K2 «Mami, Gagga.» – Ich so: «Kannst du noch warten, bis wir bezahlt haben? Dann gehen wir sofort auf die Toilette.» K2 nickt.

An der Kasse meldet K2: «Mami, Pipi». Mir ist klar, diesmal kann es nicht mehr warten. Der Kassiererin, die gerade die Kleider einscannen will, rufe ich zu «Warten Sie noch damit, bis ich ihr die Windeln angezogen habe». Schliesslich will ich keinen kilometerlangen Stau verursachen.

Ich bücke mich, finde in meiner Tasche nur noch eine Baby-Windel von K3. Etwas knapp, aber egal. Es ist eine Toiletten-Alternative. Streife K2 die bereits angenässte Hose runter. Ziehe die Windel an. Da sagt K1, das hintendran steht: «Mami, da ist Gaggi.»

Ich schaue um K2 herum und tatsächlich: Da auf dem Boden liegt ein Häufchen, frisch aus der Unterhose gepurzelt.

Das. Ist. Der. Supergau. – oder hat euer Kind auch schon mal im H&M vor die Kasse geschissen??? Eben.

Ich fühle mich weder gestresst noch peinlich berührt. Die Situation ist so absurd. Zu retten gibt’s da nichts mehr.

In meiner Handtasche können einzig die Papiertaschentücher zur Beseitigung dieses Häufchens dienen. Was hätte ich nur ohne sie gemacht? Ich ziehe K2 die angenässte Hose hoch. Bin froh, hat sie ein langes Oberteil an, das den grössten Teil der Hose verdeckt. Dann packe ich das Häufchen in drei, vier Taschentücher. Und:

Verstaue es in meiner Handtasche. Wohin denn sonst, Herrschaften?

Ich erhebe mich wieder. Nicke der Kassiererin zu, der ich eine Story beschert habe, mit der sie noch Jahre später wird auftrumpfen können, wenn es darum geht: «Und, was hast du so in deiner Verkäuferinnenkarriere schon alles für absurde Situationen erlebt?» Bezahle und verabschiede mich.

Später auf der Toilette finde ich ein paar Ersatzhosen. Sie sind so Hochwasser, dass ich K2 die Socken über die Hose hochziehen muss, damit die Hose nicht zu Shorts mutiert. Nebenbei erwähnt trägt K1 (männlich) ein pinkfarbenes Tutu. Und ich einen Haufen Kacke in der Handtasche. Ich kann mir ganz gut vorstellen, wie unsere Wirkung auf andere ausfällt. Und mir hilft nur eines: So tun, als wäre es das normalste der Welt, einen Klumpen Kacke aus der Handtasche zu holen, und in die Kloschüssel zu entsorgen.

So sieht es also aus, das #lebenamlimit.

 

 

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

One thought on “Der Supergau

  1. Hallo, sitze hier mit Tränen vor dem Bildschirm, lange nicht mehr so gelacht – danke für diese Story :-). Mir ist mal was ähnliches passiert, allerdings mit K1 als Säugling in einer Gelateria in Italien, als ich plötzlich merkte, dass da nicht Glace auf den Boden tropft… Toller Blog – weiter so. Viele Grüsse, Lena

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