Der MILF-Mythos

Milf –  das ist leicht verrucht. Weil, denken darf man das ja nicht. Doch angeblich tut man(n) es trotzdem manchmal.

MILF!

Falls du, liebe Leserin, lieber Leser unter 18 bist, ist es jetzt an der Zeit, mit Lesen aufzuhören und dich mit altersgerechten Dingen zu beschäftigen.

MILF bezeichnet Mütter, die attraktiv wirken. Mal unverfänglich formuliert. Es ist heutzutage auch nicht mehr so eindeutig in der Pornoecke anzusiedeln wie auch schon. Und bezeichnet auch nicht mehr nur Frauen Ü50.

MILF, so denken sich einige Typen, sei heutzutage doch ein Kompliment. Weil, so denken sie weiter, eine Frau es geschafft hat, trotz Zunahme unzähliger Kilos, massiven Dehnungen des Körpergewebes und sonstigen gruseligen Dingen, von denen sie aber dann nichts mehr wissen wollen. Weil die Frau es eben trotzdem geschafft hat, wieder so zu werden, als sei nichts gewesen. Und wieder so auszusehen, wie Frauen aussehen sollten: schlank, sexy, aufregend.

Die Wahrheit über MILF ist schnell erzählt, liebe Männer. Das, was ihr als Wahnsinnsbrüste bezeichnet, nennen wir Mütter Milchstau. Wir denken auch nicht im Leben daran, eure Hände in diesem Zustand auch nur in die Nähe unserer Brüste zu lassen.

Unsere schlanken Beine sind womöglich unrasiert, untendrunter tragen wir einen jahrzehntealten, ausgeleierten Slip, weil wir wäschetechnisch nicht nur in der Waschküche, sondern auch in der Intimzone im Verzug sind. Worstcase.

Oh, unsere Haare sind wild zerzaust? Nein, meine Lieben. Das ist nicht bedingt durch ein heisses Quickie in der Besenkammer. Das war unser Kind.

Und bloss, weil wir euch mit einem Schlafzimmerblick betrachten, denken wir im Leben nicht darüber nach, mit euch darin zu verschwinden. Unser Kopf ist gefüllt mit einer endlosen Todoliste und unser Blick sieht nur so aus, weil wir selbst unser Schlafzimmer schon ewig nicht mehr von innen gesehen haben.

MILF. Das ist das, was die schöne Helena von Troja war. Eine Projektion. Oder eben, ein Mythos.

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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