Backen mit Kleinkind

Beim Backen, da bin ich ganz Klischee. Ich liebe Backen. Backen, das geht immer. Egal wie der Tag war.

Egal wie die Nacht war. Backen ist Therapie.

Backen mit Kleinkind allerdings ist ein Gruppenhappening. Der Therapieansatz funktioniert nicht mehr. Im Gegenteil. Gruppenbacken ist heute Grund für eine Therapiestunde.

«Schauen, schauen», ruft mein Sohn von unten. Tritt mir empfindlich auf die Füsse. Seine Hände wuseln tentakelmässig über die Küchenkombination. Was sie ertasten, reissen sie zu sich in den Abgrund. Reichweite aktuell: mindestens 15cm. Zuviel!

Stelle ich ihn auf den Stuhl, um meine Füsse vor weiteren Fehltritten zu bewahren, ist ihre Reichweite schier unendlich. Zwischen Zutaten zubereiten, mischen und mixen übe ich die Funktion der Krisenintervention aus. Rette das Kakaopulver vor dem Zerstäubtwerden, die Eier vor dem Zerschlagenwerden. Des Sohnes Hände vor dem Zerhacktwerden.

«Warte!» – kein Wort benutze ich beim Plätzchen backen häufiger. Kein Wort wird ebenso häufig komplett ignoriert. Überbegeistert wedelt mein Kind mit den Armen, als ich ihm ein Förmchen zum Ausstechen gebe. (Wieso bloss tue ich das nur?) Drückt das Ding forsch in die Mitte des ausgerollten Teigs. Reisst es mitsamt Teigresten wieder hinaus. Um damit einen erneuten Kreis auszustechen. Vorzugsweise überlappend mit dem vorherigen.

Meine Erklärungsversuche betreffend randständigem Ausstechen beim Teig, platzsparendem Platzieren und Vermeiden von Schnittmengen laufen ins Leere.

Während ich das erste Blech hart erarbeiteter Cookies in den Ofen schiebe, sehe ich im Augenwinkel, wie sich mein Kind die Teigreste in den Mund schiebt. Rette nunmehr den Restteig vor dem Kind.

Dann ist die Attraktion «Backen mit Kleinkind» auch schon gelaufen. Für mich allemal. «Spielen», ruft das Kind, zerrt mit seinen Schokoladenhände an meiner Hose. Die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld. Ich selbst wie eine Trümmerfrau. Nur die Cookies im Ofen, die geben was her: Sie werden mir als Therapiestundenersatz dienen.

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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