Zweites Kind, erster Ausgang

Bloss raus da.

Zweites Kind, erster Ausgang. Wobei unter Ausgang ja auch nicht mehr das verstanden wird, wovon wir früher jeweils sprachen. Ausgang heisst: Sich aus dem Haus schleichen, sobald die Kinder halbwegs schlafen. Das Handy auf laut stellen. Todmüde irgendwo hinfahren. Geniessen. Um 23.00 Uhr wieder zuhause sein. Der Morgen wird nicht länger, bloss weil die Nacht es war.

Und der Ausgang will verdient sein.

Generell versucht man an einem solchen Abend, alles etwas schneller zu machen als sonst. Früher Abendessen. Kürzer Zähneputzen. Von der Gutenachtgeschichte kriegt das Kind bloss den Abstract zu hören. Lied gibt’s genau eins. Spieldose aufziehen, Kuss auf Stirn drücken, Türe zu.

Dazwischen stresst man vor den Kleiderschrank. Sucht sich das Outfit raus, welches man sich innerlich über den Nachmittag verteilt zurechtgelegt hat. Eines, das mal nicht praktisch ist, sondern hübsch. So wie früher. Als die Kleider nach Parfum dufteten und nicht als Fummel für Schmuddelfinger, Essensreste und Babykotze dienten.

Natürlich reicht ein Gute-Nacht-Lied nicht. Das Kind will nicht schlafen. Ausgerechnet. Immer an Abenden, wo die Erziehung mal vorbildlichst klappen sollte und nicht nur dürfte. Die Spannweite der Probleme reicht von zu dunkel, zu laut, nein, keine Musik. Mol, jetzt doch Spieldose an. Bitte Türe offen lassen. Ah nein, Türe doch zu.

Oben ruft das Kind nach seiner Mutti. Unten packt die Mutti ihr Zeug. Schnell zwei Nuggis, eine Ersatzwindel und die Feuchttücher aus der Handtasche entfernt. Nochmals nach oben zum Kind. „Mama, Gaggi“. Also Windeln ab. Ausgangsoutfit ist leicht angeschwitzt. Bloss raus da. In Unterwäsche neue Windeln anziehen. Erneute Deo-Runde. Parfum. Dann bloss raus, bevor dem Kind noch weitere Ideen kommen.

Unterwegs grinst man wie ein Honigkuchenpferd, das das erste Mal in seinem Leben über weite Wiesen hoppelt. Hofft inständig, das Telefon möge nicht klingeln. Fragt trotzdem dreimal per SMS nach, ob die Kinder noch schlafen.

Zwei, drei Stunden später schleicht man wieder. Zurück ins traute Glück. Ein Kind hat zwischenzeitlich gekotzt. Nicht der SMS wert. Ansonsten ist Nachtruhe. Ausgang 2.0 macht Lust auf mehr.

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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