Andrea Jansen – Mama Multitasking

Wohl keiner hätte die bekannte TV-Moderatorin Andrea Jansen (36) wiedererkannt, als sie nach der Geburt ihres ersten Kindes im Pijama versuchte, Baby und Job irgendwie zu kombinieren. Inzwischen hat sie dazugelernt, Prioritäten gesetzt. Ein Kind mehr, das dritte ist unterwegs. Ihre Ansprüche aus der Präkinder-Ära hat sie nicht runtergeschraubt, ihr 60%-Arbeitspensum schöpft sie voll aus. Die Anyworkingmom darüber, wie sie es eben NICHT schafft, alles unter einen Hut zu bringen.

«Nichts in meinem Leben ist so wichtig wie meine Kinder. Das muss man gar nicht mit viel Pathos sagen oder hochjubeln. Das ist einfach Fakt und fertig. Wenn ich mich mal entscheiden müsste zwischen Kinder oder Karriere, dann muss ich nicht überlegen – aber ich bin uh froh, muss ich’s nicht.

Trotzdem ist der Balanceakt nicht immer einfach.

Es geht mir damit manchmal besser, manchmal weniger gut. Ich liebe es, wenn ich beruflich Erfolg habe und für meine Arbeit positives Feedback erhalte. Auf der andern Seite habe ich schlechtes Gewissen, wenn ich manchmal das Gefühl habe, zu wenig zuhause zu sein.

Es gibt doch diese unsichtbare Verbindung zu den Kindern. Man spürt sie, weiss, wie es ihnen geht. Wenn ich viel arbeite, spüre ich, wie mir diese Verbindung entgleitet. Das merke ich daran, dass ich nach Hause komme und mich erst wieder angleichen muss, damit ich am selben Ort bin wie sie. Passiert das, ziehe ich meistens die Notbremse. Das bedeutet, ich sage Termine ab und sorge dafür, dass ich Zeit mit ihnen Verbringen kann.

Andrea Jansen wie sie arbeitet und wie die Welt sie kennt. Seit sie Kinder hat, darf die Welt sie auch noch anders kennen lernen. Ein Beispiel dafür am Ende des Unplugged (Foto: Martina Strul)

Generell habe ich in meinem Leben einen «u huere hohen» Pace. Der zwischendurch ans Ungesunde grenzt, das ist mir schon klar. Ich habe die Tendenz, immer noch etwas dazu zu machen und denke «Es geht dann schon. Es passt sicher noch rein». Dabei spreche ich nicht nur vom Arbeiten. Häufig sind es auch soziale Sachen, die mir wichtig sind, wie meine Freunde. Ausserdem will ich ein schönes Zuhause, möchte, dass wir zwischendurch etwas Anständiges essen. Es fällt mir sehr schwer, irgendwo Abstriche zu machen.

Doch meine Grunderkenntnis aus viereinhalb Jahren Muttersein ist: Ich schaffe es einfach nicht, alles unter einen Hut zu bringen. Das ist die einzig ehrliche Antwort. Bei all den Ansprüchen, die ich habe, komme ich nirgendwo auf 100%. Irgendwas ist immer nicht ganz so, wie ich es will oder wie es sein sollte.

Obwohl ich durch meine Kinder gewissermassen eingeschränkter bin, als zuvor, habe ich nicht das Gefühl, dass sich mein altes Ich komplett in Luft aufgelöst hat. Nach wie vor habe ich diesen grundlegenden Ehrgeiz in mir, etwas zu machen. Ich werde nervös und unruhig, wenn ich kein Projekt habe. Ausserdem will ich immer alles sehr gut machen. Ganz oder gar nicht. Hätte ich mich dafür entschieden, ausschliesslich Vollzeitmami zu sein, dann wäre ich eine Mutter, die jeden Tag auf dem Märit Biogemüse kauft, Rezeüte ausprobiert, stundenlang bastelt und Zimmer dekoriert. Ich würde sicher auch dort probieren, es möglichst perfekt zu machen.

Früher bin ich mit diesem Anspruch einige Male an meine Kapazitätsgrenze gekommen. Meine Kinder haben es nie mehr so weit kommen lassen. Sie halten einen zurück, man ist geerdet und merkt: «Wenn ich jetzt nicht mehr kann, wenn es mich jetzt zusammenlegt, leide nicht nur ich darunter, sondern vor allem auch sie.»

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, habe ich das Kinderhaben ziemlich unterschätzt.

Ich ging davon aus: Ein Baby, das isst und schläft, that’s it. Und ich hatte ernsthaft das Gefühl, mir werde langweilig und ich brauche etwas, woran ich mich halten könne. Ein Projekt für ‚danach‘. Darum habe ich für die Zeit nach der Geburt diverse Aufträge angenommen und zusätzlich zwei Moderationen und eine Kasperligeschichte am Laufen gehabt.

Andrea Jansens erstes ‚Baby‘ ist bereits vier – und entsprechend Selfie-erprobt.

Dann musste ich feststellen, dass ein Baby eben nicht nur isst und schläft. Ich war konstant gefordert. Es gab Tage, an denen ich noch am Abend im Pjyama war. Oder den ganzen Tag nur Chips gegessen hatte, weil die gerade offen rumlagen. Die beruflichen Projekte versuchte ich zwischendurch zu erledigen. Doch in den ein, zwei Stunden zwischen dem Stillen konnte ich mich kaum konzentrieren, geschweige denn effizient arbeiten. Schlussendlich hatte ich für die Jobs so viel Aufwand, Stress und schlechte Laune. Es machte mir keinen Spass und es war das Geld definitiv nicht wert.

Zuvor dachte ich immer: «Alles ist eine Frage der Organisation».

Aber da ist dieser eine Faktor, die eine Variable, die man einfach nicht kommen sieht. Nämlich was das Mamasein emotional mit einem macht. Und dass sich Prioritäten so verschieben. Das zu realisieren war die grösste Umstellung.

Erst später las ich «Lean In» von Sheryl Sandberg, einer Karrierefrau mit Kindern. Was mir dabei am meisten Eindruck gemacht hat, war ihre Einsicht. Sie schreibt, ihr Fehler sei gewesen, dass sie bei der Geburt ihres ersten Kindes keine Pause gemacht habe. Beim zweiten Kind habe sie sich dann bewusst drei, vier Monate voll rausgenommen, kam danach zurück und hat sich beruflich wieder voll reingegeben. So konnte sie sich auf das Kind konzentrieren und war nicht ständig in diesem Zwiespalt. Als ich meine Tochter bekam, habe ich das genauso gemacht. Und auch bei meinem dritten Kind, das in Kürze auf die Welt kommen wird, werde ich das wieder so machen. Keine halben Sachen mehr.

Ich weiss ganz genau, in dem Moment, wo das Bébé da ist, wird der Schalter im Kopf umgelegt und alles, was vorher noch wichtig war, ist weg. Ich will diesem Gefühl hingeben können. Zeitlich, körperlich und emotional. Es hat seinen Sinn und seine Berechtigung.

Seit ich Kinder habe, bin ich glücklicher. Ich hatte einige sehr traurige Phasen in meinem Leben, selbstzerstörerische Tendenzen. Aber heute sind meine Kinder für mich ein Grundglück. Wie ein Meeresspiegel – drunter komme ich gar nicht mehr.»

 

Andrea Jansen teilt ihr Glück und die damit verbundenen, unvorhergesehenen (Un-)Schönheiten des Lebens auf ihrem Blog Any Working Mom – und ihrem Instagram-Account…

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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